Religion und soziale Verantwortung

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Wie entschieden Menschen während der Covid-19-Pandemie, was verantwortungsvoll ist? Das Projekt untersuchte, wie Weltanschauungen die Wahrnehmung von Risiko, Solidarität und Autorität sowie individuelle Entscheidungen prägten.

  • Projektbeschrieb (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

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    Das Projekt untersuchte, wie Menschen in der Schweiz grundlegende Fragen zum Leben beantworten, beispielsweise ob es höhere Mächte gibt, was das richtige Handeln ausmacht und welche Wege in eine bessere Zukunft führen. Die Forschenden untersuchten, wie diese zugrunde liegenden Überzeugungen die gesundheitsbezogenen Entscheidungen der Menschen während der Covid-19-Pandemie prägten, einschliesslich der Einstellungen zu Massnahmen wie physischem Abstand, Gesichtsmasken und Impfungen. Um diese Fragen zu untersuchen, sammelte das Team Aussagen von Menschen mit unterschiedlichem sozialem und religiösem Hintergrund, die von engagierten Angehörigen verschiedener Religionsgemeinschaften und überzeugten Atheisten bis hin zu Anhängern alternativer Heilmethoden und Personen reichten, für die Religion oder Spiritualität im Alltag nur eine untergeordnete Rolle spielte.

  • Hintergrund

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    Die religiöse Landschaft der Schweiz wird immer vielfältiger, während viele Menschen traditionellen Formen der Religion gegenüber gleichgültig oder kritisch eingestellt sind. Dennoch haben die Menschen nach wie vor allgemeine Vorstellungen davon, wie die Welt funktioniert, was ein «gutes Leben» ausmacht und wie man sich in der Gesellschaft verhalten sollte. Die Covid-19-Pandemie bot eine einzigartige Gelegenheit zu untersuchen, wie diese religiösen oder säkularen Weltanschauungen die individuellen Einstellungen zu Verantwortung, Vertrauen, Solidarität und Autorität in Krisenzeiten prägen.

  • Ziel

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    Während der Pandemie sahen sich die Menschen mit erheblichen Beeinträchtigungen ihres Alltags, vielfältigen und potenziell widersprüchlichen Informationen sowie einem wachsenden Druck konfrontiert, bestimmte Verhaltensweisen einzuhalten. Dieses Projekt untersuchte, wie Weltanschauungen die Interpretation von Unsicherheit, die Risikoeinschätzung, gesundheitsbezogene Entscheidungen sowie Strategien zur Anpassung an aussergewöhnliche Umstände prägten. Es ging der Frage nach, warum Menschen sich an gesundheitspolitische Massnahmen hielten oder sich ihnen widersetzten und inwiefern diese Reaktionen unterschiedliche Vorstellungen von einem gesunden Leben und einer gesunden Gesellschaft widerspiegelten.

  • Ergebnisse

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    Gemeinsame Überzeugungen, unterschiedliche Ansichten: Menschen mit derselben religiösen oder nicht-religiösen Zugehörigkeit interpretierten die Pandemie oft unterschiedlich. Ob sie sich an die Massnahmen hielten oder nicht, hing von ihrer persönlichen Weltanschauung ab.

    Neuinterpretation von Regeln: Die Menschen hielten sich nicht einfach an Massnahmen oder lehnten sie ab, sondern interpretierten Regeln neu, um sie mit ihren eigenen Werten in Einklang zu bringen. So entwickelten sie beispielsweise kreative Wege, um die Impfung mit ihren Überzeugungen und ihrem Identitätsgefühl zu vereinbaren.

    Anerkennung und soziale Bindungen: Die Menschen suchten Unterstützung und Anerkennung für ihre Position. Protestbewegungen boten Rückhalt und brachten Menschen zusammen, denen es wichtig war, sich von den vorherrschenden gesellschaftlichen Erwartungen abzuheben. Da individuelle Weltanschauungen auch durch soziale Beziehungen geprägt werden, passten Einzelpersonen ihre Ansichten an oder distanzierten sich von ihrem sozialen Umfeld.

    Arten von Weltanschauungen: Weltanschauungen werden oft durch Opposition geprägt. Die Menschen neigten dazu, Quellen zu vertrauen, die mit ihren Werten übereinstimmten, und anderen zu misstrauen. Die Forschenden identifizierten drei Weltanschauungstypen, die sich über (nicht-)religiöse Zugehörigkeiten hinweg erstrecken: einen hierarchischen Typ, der institutionelle Regeln und die soziale Ordnung unterstützt; einen enklavistischen Typ, der egalitäre Ideale bevorzugt und sich gegen Eingriffe «von oben» wehrt; sowie einen eklektisch-fatalistischen Typ, der sich in eine isoliertere Lebensweise zurückzieht.

  • Bedeutung für Forschung und Praxis

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    Die Ergebnisse stellen die Annahme in Frage, dass religiöse oder nicht-religiöse Identitäten darüber entscheiden, ob Massnahmen eingehalten werden oder nicht. Stattdessen zeigen sie, wie Menschen sich auf ihre Weltanschauungen stützen, um sich in Krisenzeiten kreativ anzupassen. Verantwortungsbewusstes Verhalten lässt sich nicht einfach mit der Einhaltung offiziell verordneter Massnahmen gleichsetzen. Vielmehr wird es durch soziale Beziehungen, Narrative und Praktiken geprägt, die den Menschen helfen, mit Unsicherheit umzugehen. Diese Prozesse beeinflussen, ob Regeln als sinnvoll, vernünftig oder verbindlich angesehen werden. Die Politik könnte von einer kritischen Reflexion über das Konzept des verantwortungsbewussten Verhaltens profitieren, die über Verstösse gegen Vorschriften hinausgeht und sich mit dem zugrunde liegenden Gefühl des Verlusts an sozialer Ordnung, Sinn und Handlungsfähigkeit befasst, das viele Menschen in Krisenzeiten erleben.

  • Originaltitel

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    How Worldviews Shape Social Responsibility: Religious and Secular Narratives of the Body, the Virus, and the State in the Covid-19 Crisis

  • Publikationen

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    Die Publikationen des Projektes finden Sie im SNF-DatenportalExternal Link Icon.