Systemrelevante städtische Arbeitskräfte als Alltagshelden sichtbar machen

Schwerpunkt
© Carole Ammann
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Systemrelevante Arbeitskräfte hielten während der Covid-19-Pandemie Schweizer Städte am Laufen. Eine digitale Plattform gibt ihnen eine Stimme und eröffnet einen Einblick in ihren Alltag, ihre Herausforderungen und ihre Anliegen.

Während der Covid-19-Pandemie erwiesen sich systemrelevante städtische Arbeitskräfte als unverzichtbar für das Funktionieren von Schweizer Städten. Doch ihre Arbeit wurde systematisch unterschätzt. Die Forschungsgruppe «Systemrelevante städtische Arbeitskräfte» untersuchte rückblickend die Erfahrungen, Herausforderungen und politischen Forderungen von systemrelevanten Arbeitskräften in Zürich, die nicht im Gesundheitswesen tätig waren. Die Forschenden befragten Personen, die als Hausangestellte, in Kindertagesstätten, im Detailhandel und im öffentlichen Verkehr arbeiteten. Sie sammelten dabei Material von den Interviewpartnern wie Bilder oder Videos, die die Gesprächsnotizen wertvoll ergänzten.

Basierend auf den Erkenntnissen veröffentlichte die Forschungsgruppe die Webseite «System Relevant! – Wer hält die Stadt am Laufen?» (system-relevant.ch). Diese digitale Plattform lädt die Nutzerinnen und Nutzer dazu ein, das Leben von «Alltagshelden» zu erkunden. Über Themen wie Wohnen, Arbeit oder Freizeit können sie sich von verschiedenen Lebenswelten ein Bild machen. Die Plattform lässt die Besucherinnen und Besucher in den Alltag der Heldinnen und Helden eintauchen, indem sie Unterhaltungen nachstellt, die diese möglicherweise mit ihren Angehörigen, Freunden oder Arbeitskolleginnen und -kollegen über eine Messaging-App geführt hätten.

Die Plattform spiegelt die Lebens- und Arbeitsbedingungen systemrelevanter städtischer Arbeitsnehmender wider und zeigt die Herausforderungen und Ungleichheiten auf, mit denen sie vor, während und nach der Pandemie konfrontiert waren. Carole Ammann, Mitglied der Forschungsgruppe, erläutert die Überlegungen, die zur Entwicklung der Plattform geführt haben.

Carole Ammann, worin sehen Sie den wichtigsten Beitrag der Plattform?

Die digitale Plattform soll die Lebensrealitäten systemrelevanter städtischer Arbeitnehmenden sichtbarer machen. Ihre dargestellten Gespräche geben Einblick in ihre Arbeitsbedingungen und ihren Alltag. Diese Bereiche sind oft schwer zugänglich und bleiben im öffentlichen Diskurs untervertreten. Indem unsere Forschungsgruppe diese Perspektiven hervorhebt, möchte sie auf die relative Unsichtbarkeit dieser Arbeitnehmenden aufmerksam machen.

Wir denken, dass die Webseite für verschiedene Interessengruppen relevant ist, darunter Gewerkschaften, politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger, Arbeitgeberverbände und Nichtregierungsorganisationen. Darüber hinaus eignet sie sich aufgrund ihres Formats für den Unterricht auf Sekundar- und Tertiärstufe. Dabei kann sie als Grundlage dienen, um Fragen der Arbeit, der Betreuung und Pflege und des städtischen Lebens aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten.

Warum gibt die Plattform Chats zwischen Alltagsheldinnen und -helden und deren Familien und Freunden wieder?

Die Entscheidung, Chat-basierte Dialoge wiederzugeben, ergab sich direkt aus unserer Auseinandersetzung mit dem empirischen Material. Bei der Analyse der Interviews und der visuellen Daten wurde deutlich, dass das Chat-Format eine besonders wirkungsvolle Möglichkeit bot, das Zusammenspiel zwischen beruflichen und privaten Bereichen zu vermitteln. Für jede Berufsgruppe identifizierten wir zentrale Themen und entwickelten mindestens einen fiktiven Dialog, der diese widerspiegelt.

Wie haben Sie diese fiktiven Chats konkret entwickelt?

In einer Reihe von Workshops haben wir gemeinsam mit den Alltagsheldinnen und -helden verschiedene Konzepte zur Umsetzung skizziert. Es zeigte sich schnell, dass sich die vier von uns untersuchten Berufsgruppen gut für einen Storytelling-Ansatz eigneten. Wir beschlossen daher, für jede Gruppe das Porträt einer Persona zu erstellen, in denen wir wiederkehrende Themen und Erfahrungen aus den Interviews zusammenfassten. Dieser Ansatz ermöglichte es uns, repräsentative Erzählungen zu entwickeln und gleichzeitig die Anonymität unserer Forschungsteilnehmenden zu gewährleisten. Da viele der Gespräche mit den Alltagsheldinnen und -helden als Walking-Interviews geführt wurden, erwiesen sich die jeweiligen Orte als zentrale analytische Dimension. Daraus entstand die Idee einer interaktiven Karte, über die die Nutzerinnen und Nutzer bestimmte Orte in der Stadt Zürich erkunden können, die in den Erzählungen vorkamen.

Warum haben Sie bei der Plattform mit mLAB, einem Experimentierraum der Universität Bern, zusammengearbeitet?

Die Zusammenarbeit mit mLAB war bereits im Projektplan vorgesehen und bildete einen zentralen Bestandteil unserer Strategie zum Wissenstransfer. Von Anfang an war es uns wichtig, dass unsere Forschungsergebnisse über den akademischen Kreis hinaus zugänglich sind und ein breiteres Publikum ansprechen.