Wie sich Jugendliche während der Covid-19-Pandemie den öffentlichen Raum angeeignet haben

Die Zeichnerin Corinne Bromundt illustrierte am 23. Januar 2026 im Toni-Areal live die Inhalte der Abschlussveranstaltung des Projekts «Städtische Räume für Jugendliche».
© Corinne Bromundt/www.bromundt.ch

Die Forschungsgruppe «Städtische Räume für Jugendliche» hat ihre Abschlussveranstaltung durchgeführt. Sie zeigt, wie sich Jugendliche während der Covid-19-Pandemie öffentliche Räume angeeignet haben.

Das Projekt «Städtische Räume für Jugendliche» zog am 23. Januar 2026 im Toni-Areal in Zürich Bilanz seiner dreijährigen Forschungsarbeit. Vor rund fünfzig Interessierten präsentierte die Gruppe unter der Leitung von Anke Kaschlik vom Departement für Soziale Arbeit der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) zentrale Ergebnisse des Projekts. Auf der Grundlage einer qualitativen Befragung von 230 Jugendlichen aus der Region Zürich zeigt die Forschungsgruppe, wie Jugendliche während der pandemiebedingten Einschränkungen öffentliche Räume genutzt und sich angeeignet haben.

Im Fokus standen dabei die Anpassungsstrategien, die Jugendliche anwandten, während die Behörden von ihnen verlangten, zu Hause zu bleiben. Auch wenn Jugendliche zuweilen Widerstand leisteten, indem sie sich über die von den Behörden auferlegten Massnahmen wie Versammlungsverbote hinwegsetzten, entwickelten dieselben Jugendlichen zu anderen Zeiten auch neue Gewohnheiten im Umgang mit dem öffentlichen Raum. Parks, Fluss- und Seeufer wurden zu bevorzugten Orten des Rückzugs, des Zusammenseins und der Erkundung neuer Gewohnheiten. Einige Jugendliche haben ihre Gewohnheiten während der Pandemie kaum verändert, während andere eine grosse Anpassungsfähigkeit bewiesen und sich mühelos in die neue Normalität einfügten.

Mangelnde Alternativen erklären Widerstand

Ein zentrales Ergebnis des Projekts ist, dass Anpassungsstrategien stark vom Umfeld abhängen, in dem die Jugendlichen aufgewachsen sind. So steht Widerstand oft im Zusammenhang mit einem Mangel an Alternativen. Jugendliche, denen nicht genügend Platz zu Hause, ein Garten oder ein Ferienhaus zur Verfügung stand, versuchten stärker als andere, sich den öffentlichen Raum anzueignen. Für die Forschungsgruppe ist der städtische Raum daher als soziale Infrastruktur zu betrachten, und die Bedürfnisse der Jugendlichen müssen von den Städten bei ihrer Planung berücksichtigt werden. Die Jugendlichen wünschen sich zugängliche und miteinander verbundene Räume. Sie bevorzugen zudem Orte, die sie sich aneignen können und die sowohl Räume bieten, die soziale Interaktionen erleichtern, als auch Räume, in denen man unbemerkt bleiben kann.

Die Abschlussveranstaltung bot Gelegenheit, mit den Stakeholdern des NFP 80 ins Gespräch zu kommen. Vertreterinnen und Vertreter des Jugendparlaments der Stadt Zürich sowie der Stadtentwicklungs- und Planungsämter der Region Zürich wurden für die Forschungsergebnisse und die Notwendigkeit sensibilisiert, Jugendlichen die Mitwirkung bei der Planung öffentlicher Räume zu ermöglichen. Die Bedingungen für diese Mitwirkung stellen eine grosse Herausforderung für Stadtplaner dar, auf die die Forschungsgruppe «Städtische Räume für Jugendliche» erste Antworten geben konnte. Sie wird in den kommenden Monaten zwei Policy Briefs zum Thema veröffentlichen.

Bildlegende: Die Zeichnerin Corinne Bromundt illustrierte am 23. Januar 2026 im Toni-Areal live die Inhalte der Abschlussveranstaltung des Projekts «Städtische Räume für Jugendliche».