Die Covid-19-Pandemie hat die berufliche Grundbildung stark beeinflusst

Bildungspraxis Podium
© David Glauser
Lesezeit: 4 Min.

Rund sechzig Personen haben an der Abschlusstagung des Projekts «Berufsbildung im Zeichen von Covid-19» teilgenommen. Die Tagung zeigte, wie die Covid-19 Pandemie der Berufsbildung Innovationsimpulse verliehen hat.

Sechzig Fachpersonen aus der Berufsbildungspraxis, Bildungsverwaltung und Forschung nahmen am 19. Juni 2026 an der Abschlusstagung des NFP 80-Projekts «Berufsbildung im Zeichen von Covid-19» an der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung in Zollikofen teil. Unter dem Titel «Krise als Innovationsimpuls? Die duale Berufsbildung nach Covid-19» wurden die Ergebnisse des Forschungsprojekts sowie des SNF-Projekts «La santé au travail: un impensé de la socialisation professionnelle des apprenti-e-s» präsentiert. Fachpersonen der dualen beruflichen Grundbildung blickten im Rahmen einer Podiumsdiskussion auf die Covid-19-Pandemie zurück und teilten vor dem Hintergrund der vorgestellten Forschungsergebnisse ihre Erfahrungen im Umgang mit der Pandemie und möglicher zukünftiger Krisen.

Berufsbildung ist digitaler geworden

Für mehrere Teilnehmende der Podiumsdiskussion ist die Digitalisierung die einschneidendste Veränderung, die die Covid-19-Pandemie in der Berufsbildung ausgelöst hat. Fabio Gaberthüel, der 2020 eine Lehre als Kaufmann bei Swisscom absolviert hat, eröffnete die Diskussionsrunde: «Die Arbeit im Homeoffice hat mir zu mehr Selbstständigkeit verholfen, und das Wissen, dass ich mich jederzeit an mein Team vor Ort wenden konnte, gab mir Sicherheit», sagte er. Die Digitalisierung hat sich indes nicht nur auf die Lernenden, sondern auch auf die Ausbildnerinnen und Ausbildner ausgewirkt. Gaby Schmid, Ausbildungsleiterin bei login Berufsbildung vom Standort Zürich, ist überzeugt, dass «die Krise es uns ermöglicht hat, unsere digitale Kompetenz auszubauen, was sich positiv auf unsere heutigen Prozesse auswirkt.»

Gastronomie geht neue Wege

«In der Gastronomie haben wir den Zug der Digitalisierung während der Pandemie aus nachvollziehbaren Gründen verpasst», erklärte Florian Ilmer, Mitinhaber eines Restaurants im Kanton Zürich. «Unmittelbar nach der Pandemie fehlte uns die Zeit, da wir mit der Rückkehr zur Normalität viel Arbeit und viele Kundenanfragen hatten», fügte er hinzu. Doch die Pandemie hat ihn dazu angeregt, neue Wege zu gehen und 2024 gemeinsam mit Gleichgesinnten den Gastrolehrverbund «Roast and Host» ins Leben zu rufen, den er heute leitet. Dieser ermöglicht jungen Menschen, ihre zwei- oder dreijährige Ausbildung in sechs verschiedenen Betrieben zu absolvieren, um die Vielfalt der Branche kennenzulernen. Das Netzwerk unterstützt die Ausbildungsbetriebe dabei, den Jugendlichen eine qualitativ hochstehende Ausbildung zu bieten. Der Ausbildungsverbund ist erfolgreich angelaufen und soll in weiteren Kantonen etabliert werden.

Ausbildung steht an erster Stelle

Im Gesundheitswesen waren die Herausforderungen durch die Pandemie andere. Gesundheitseinrichtungen standen kurz vor der Überlastung und waren gleichzeitig aufgrund der Pandemie mit vielen Absenzen konfrontiert. «Wir mussten den Lernenden im kaufmännischen Bereich und in der Logistik zusätzliche Aufgaben und mehr Verantwortung übertragen, etwa die Auslieferung von Material an das Personal und an die Patientinnen und Patienten – glücklicherweise nur für kurze Zeit.», erklärte Myriam Bezençon, Koordinatorin beim Réseau hospitalier neuchâtelois. In der Insel Gruppe in Bern «ist es uns gelungen, der Ausbildung und dem kompetenzgerechten Einsatz der Lernenden Fachfrau/Fachmann Gesundheit auch während der Pandemie den Vorrang zu geben», berichtete Monika Schäfer, Bereichsleiterin Aus- und Weiterbildung Gesundheitsberufe in der Direktion Pflege der Insel Gruppe und Vorstandsmitglied von OdASanté, der nationalen Dachorganisation der Arbeitswelt Gesundheit. «Die Herausforderungen in der Spitalversorgung dauerten auch nach der Pandemie an», fügte sie hinzu. «Das Spital musste den Rückstand bei den nicht dringenden Eingriffen aufholen. Gleichzeitig wollten viele längere Urlaube planen und Überzeiten kompensieren. Die Lernenden waren in hohem Masse gefordert, mit den sich rasch verändernden Rahmenbedingungen umzugehen». Zur Stärkung der Lernenden auf dem Weg zur Berufsbefähigung als Fachfrau/Fachmann Gesundheit hat die Insel Gruppe 2022 das Programm «strong@work» lanciert, das sich speziell der psychischen Gesundheit der Auszubildenden widmet.

Ein stabiles Unterstützungsangebot aufbauen

Die Arbeit der NFP 80-Forschungsgruppe «Berufsbildung im Zeichen von Covid-19» bestätigt diese Einschätzungen aus der Praxis. «Unsere Ergebnisse zeigen, dass die duale Ausbildung der Krise zwar insgesamt gut standgehalten hat, dass die Erfahrungen der Lernenden und der Betriebe jedoch je nach Auswirkungen der Pandemie auf die Arbeitsbelastung in den verschiedenen Berufen sehr unterschiedlich waren», erklärt Irene Kriesi, Co-Projektleiterin und Professorin an der Eidgenössischen Hochschule für Berufsbildung. Die Forschenden betonen, wie wichtig es ist, den Lernenden während der Krise verlässliche Unterstützung zu bieten. «Diese muss den Verbleib in der Ausbildung und die Gesundheit der Lernenden priorisieren», folgert David Glauser, Co-Projektleiter und Professor an der Pädagogischen Hochschule der Fachhochschule Nordwestschweiz.